unüberschaubare konzernstrukturen
June 10th, 2009Was eine Europa-Wahl mit Wrestling gemeinsam hat
June 6th, 2009
Von den Rängen wurden die Slogans der beiden Kontrahenten gebrüllt. Manche Zuschauer hielten Schilder in die Höhe. Der Hauptkampf des Abends stand bevor und sie waren nur deshalb gekommen. Ein Mann mit Anzug versuchte seiner Stimme Bedeutung zu geben, als er ins Mikrophon singend den Einmarsch der Akteure ankündigte. Mit breitem Grinsen, spitzer Nase, schwarem Barett und knapper blauer Hose tanzte „Enrique Cristiano Ernesto ‘Che’… - …Straaaache!“ zu Raptönen zwischen den Absperrgittern hindurch. Drei Finger streckte er in die Luft, das war sein Markenzeichen. Seine Fans erwiderten den Gruß. Geschmeidig tänzelte er durch den Ring, stieg auf die Steile. Seine Zähne und seine blauen Augen funkelten im grellen Scheinwerferlicht. Früher hatte er auch unter den Ringnamen „The Soldier“ und „The Dentist“ gewrestlet. Das Publikum johlte, die Scheinwerfer erfassten ihre Schilder, mit „Verbietet das Verbotsgesetzt“ und „Türkenraus“ feuerten sie ihn an. Schaumgummihände mit drei Fingern waren ebenfalls sehr beliebt.
Doch nun Stille, dann setzten Orgelklänge ein. „The Volksanwalt“ Stadler machte sich auf den Weg zum Ring um um den „Far-Right-Belt“ der EUW zu kämpfen. Auf seinem orangen Trägeranzug stand ein V. Er trug einen schwarzen Umhang und ein blaues Käppchen, ähnlich dem seines Gegners. „V wie Volksanwalt“ rief sein Fanklub. Grimmig fasste er seinen Gegner ins Auge, nachdem er behäbig durch die Seile stieg. Zwei Jahre sind vergangen, seit die beiden als „Burschi Boys“ gemeinsam antraten. Der „Screwjob“ der sie trennte war jedoch nur wenig aufregend.
„Freimaurer!“ brüllte „The Volksanwalt“ in die Menge, manche skandierten „Hai-der!“. Dann ertönte der Gong. Es war kein technisch anspruchsvoller Kampf, mit vielen versteckten Faustschlägen, Sympathisanten der beiden Gegner kamen an den Ring und lenkten den Referee ab. Vor allem der laute Auftritt von „The Fascist“ (vormals „The Dark Count“), der den „Volksanwalt“ als Tag-Team-Partner von „Che“ ersetzt hatte zog die Aufmerksamkeit von Zuseher wie Ringrichter auf sich, gerade als der „Volksanwalt“ seinen Gegner mit seinem harten „Mensur-Strike“ auf die Matte schickte. Während der Referee mit dem „Fascist“ diskutiert, befreite sich der „Che“ aus dem Cover, schlug auf den Volksanwalt ein und griff nach einem Holzkreuz, das er zur Verwunderung vieler mit zum Ring genommen hatte. Damit schlug er auf „The Volksanwalt“ ein und warf es aus dem Ring, gerade als der Referee sich wieder umdrehte. Der Sieg von Enrique Cristiano Ernesto „Che“ war nur noch Formsache. Zum Triumpf streckte er drei Finger in die Luft.
(aber keine Literatur-Kritik)
Nicht nur wer sich mit juristischen Dingen beschäftigt hört bisweilen von kundiger Stelle ein „grundsätzlich“ oder ein „prinzipiell“. Dieses bezieht sich dann aber eher selten auf wirklich grundsätzliche Dinge. Also etwa die Freiheit des Menschen, die EMRK oder die Bergpredigt.
Eher im Gegenteil, weil „grundsätzlich“ und „prinzipiell“ - und manche Leute beginnen damit quasi jeden Satz – im Sprachgebrauch häufig so verwendet wird, dass man damit die Möglichkeit zahlreicher Ausnahmefälle einräumt. Wenn also etwas grundsätzlich nicht geht, dann besteht reichlich Anlass zur Hoffnung.
Von der prinzipiellen Bedeutung (und jetzt setze auch ich hier „prinzipiell“ irgendwie mit „eigentlich“ gleich) des Wortes „grundsätzlich“ ist das eigentlich schon ziemlich weit weg. Außer das „-lich“ würde die „Grundsätze“ abschwächen, sprachlich. Ob das dann analog auch für das „-iell“ und die Prinzipien gölte, da müsste ich jetzt einen Germanisten fragen. Oder eher sogar einen Romanisten, weil „Prinzip“ vermutlich aus dem Lateinischen kommt. In wie weit, das wieder mit „il principe“ (dem „Fürst“ - einerseits von Machiavelli, andererseits auch Guiseppe Giannini) zu tun hat, dafür bräuchte ich jetzt einen etymologisch sehr versierten Romanisten (jetzt nicht in der Bedeutung von „ein Fan der AS Roma“, sondern eben sprachwissenschaftlich). Schon spannend diese Zusammenhänge, aber sie lenken mich vom grundsätzlichen Thema ab (und verlinke nicht zu Wikipedia-Beiträgen über Machiavelli, Giannini oder die Tifosi der Roma).
Welches ja eigentlich die, meines Erachtens, missbräuchliche Verwendung des Wortes „grundsätzlich“ ist. Dabei würde mich auch interessieren ob dieser Missbrauch nur zufällig oder eben prinzipiell geschieht. Wenn prinzipiell, dann könnte es auch von mir sein. Weil einer grundsätzlichen Ablehnung von Grundsätzen würde ich prinzipiell zustimmen. Zumindest von solchen Grundsätzen wie sie Kafka dem Onkel des Karl Rossmann in „Amerika“ (aka „Der Verscholle“) zuschreibt, womit er – wunderbar eingebettet in die Geschichte – in einem Satz dieses ganze, prinzipielle, fundamentalistisch-dogmatische Beharren auf Sinnlosigkeiten der verdienten Lächerlichkeit preisgibt.
Summary: Kafka prinzipiell super!
wilder westen
May 24th, 2009kulturprogramm
May 18th, 2009Europawahl-Lama – ein hochpolitischer Beitrag
May 13th, 2009
Gerade als international agierendes Transportlama ist man von europaweiten Entscheidungen besonders betroffen. Dank eines Abkommens zwischen Europäischer Union und der Transporttier-Vereinigung sind deshalb auch alle überwiegend in Europa tätigen Lamas, Kamele und Dromedare wahlberechtigt. Jedoch muss man sich dabei für ein Land entscheiden, in dem man wählt.
Diesen Punkt betrachten nun viele Lamas mit Sorge und Wehmut, denn eigentlich war eine eigene Lama-Partei angedacht. Leider sind wir aber nun in den einzelnen Ländern – sogar in Spanien – zuwenige, um zu kandidieren. Obwohl wir gesamt gesehen schon Chancen hätten ein oder zwei unserer Vertreter ins Europäische Parlament zu entsenden. Doch der Wahlmodus ermöglicht es gerade uns, die wir Anliegen haben, die eben nur auf gesamteuropäischer Ebene (sinnvoll) durchsetzbar sind, nicht, an dieser wichtigen Wahl teilzunehmen.
Stattdessen müssen wir mitansehen, wie ein Alt-Bürgermeister von Soundso verspricht, die Interessen seiner Provinz „in Brüssel“ zu vertreten. Als ob das eine Landeshauptmann- oder Sportvereinsobmannwahl wäre. Oder als wäre eine persönliche Meinung, sofern man denn eine hat, gar geographisch bedingt. Eine kontinentale Wahl wird dadurch meines Erachtens ein wenig ad absurdum geführt. Stattdessen bietet sie wunderbar Gelegenheit lokalpolitisches Klein-Klein zu betreiben.
Immerhin haben wir es geschafft eine handvoll Lama-Vertreter auf ein paar nationalen Listen zu bekommen. Ein mittelstarke Fraktion in Dänemark etwa hat die Sprecherin unser Transporttiervereinigung an wählbare Stelle gereiht. Doch lediglich den Dänen und den wenigen Lamas, die in Dänemark wählen, bleibt es vorbehalten ihr eine Vorzugsstimme zu geben. Alle anderen müssen mit dem tristen Angebot ihres eigenen Wahlkreises vorlieb nehmen. Für mich persönlich sieht es dabei besonders düster aus.
Deshalb fordere ich ein europaweites Volksbegehren, das eine Wahlmodus-Reform einleiten soll, damit ich auch Kandidaten in Spanien, den Niederlanden oder eben Dänemark wählen kann, wenn sie mir besser zusagen, und meine Interessen als Durchschnittstransportlama besser vertreten können. Die nötigen Unterschriften werde ich, und da rechne ich mal nur mit den Lamas, rascher beisammen haben, als du das Wort Durchschnittstransportlama gelesen hast. Wobei, für so ein Volksbegehren bräuchte es ja die neue EU-Verfassung, und, naja, ähm, Verdammt!
Die Totale Krisen-Paranoia
May 8th, 2009Der Spitzenkandidat einer - im Parlament vertretenen - österreichichen Partei begibt sich, unter anderem unterstützt vom dritten Nationalratspräsidenten, auf Ursachenforschung:

Durch die Wirtschaftskrise der 1930er wurde in England und den USA der New Deal durchgeführt. Kontinentaleuropa verfiel dem Faschismus.
narratives olivenöl
May 5th, 2009Lama nicht lesen
April 30th, 2009Sie können diese Geschichte über das Lama nicht lesen, und das tut mir sehr leid, denn es ist zum Großteil meine Schuld. Der Grund dafür, warum Sie diese Geschichte über Lamas nicht lesen können, ist nämlich, dass ich sie nie geschrieben habe, obwohl ich es eigentlich fest vor gehabt hätte. Doch mir ist immer etwas dazwischen gekommen.
Zum Beispiel schien die Sonne. Das hat mich beim Schreiben abgelenkt. Ich habe daraufhin versucht die Vorhänge zuzuziehen. Als ich dann mit schreiben beginnen wollte, kam ich drauf, dass ich vielleicht doch noch hinausgehen sollte, solange die Sonne schien. Ich zog mir Schuhe und Jacke an, setzte eine Haube auf, nahm meinen Schal und ging vor die Tür. Es war kalt. Ich ging zurück. Herinnen war es dann wärmer. Ich schwitzte und beschloss duschen zu gehen. Wenn man nachdenken will, ist das überhaupt sehr gut, wie ich finde. Besser ist nur zugfahren. Aber zugfahren und schreiben geht so wenig wie duschen und schreiben. Ich hab nicht mal versucht, mir an der dampfbeschlagenen Duschkabine Notizen zu machen.
Zu warm duschen macht mich müde. Ich brauchte einen Kaffee. Während der ersten Tasse las ich das Fernsehprogramm. Gerade hat ein Asterix angefangen – und dann ist Schispringen. Zwischen den Durchgängen sehe ich im Teletext, dass Arsenal am Abend gegen Chelsea spielt, ich werd’s mir wohl ansehen müssen.
Nach dem Spiel öffne ich ein leeres Dokument und will zu schreiben beginnen, als mir mein Kater auf den Schoß hüpft und mit dem Kopf gegen meine Arme stößt. Das hindert mich am Schreiben. Ich hebe ihn runter. Er springt auf den Tisch. Das passt mir gar nicht. Ich nehme den Kater und gebe ihm zu Fressen. Dabei denke ich, dass ich selbst eine Kleinigkeit zu mir nehmen sollte. Da ich keine Tiefkühlpizza mehr vorrätig habe muss ich aufwendig kochen.
Nachdem ich gegessen habe, wobei es natürlich obligatorisch ist, sich eine Simpsons-Episode anzusehen fühle ich mich müde. Ich leg mich ins Bett und lese im Herrn der Ringe. Nachdem ich nun endlich das siebte Mal Lothlorien erreicht habe, denke ich wieder an die eigene Geschichte, die ich heute noch schreiben sollte.
Der Computer läuft noch. Das Textverarbeitungsprogramm ist sogar noch geöffnet. Bevor ich zu schreiben beginne möchte ich allerdings noch meine E-Mails abfragen. Danach besuche ich noch ein paar Foren und Browserspiele sowie ein paar Blogs. Nun fühle ich mich fit zum schreiben, oder? Naja, ich bin doch zu müde, wie es scheint, denn ich bringe kein Wort in das Dokument. Vielleicht eines: „Lama“. Ich tippe L, A, M, A, halt nein, L, a, m, a, ärgere mich über die Caps-Taste und speichere die Datei im Ordner „Lama“ unter „Lama00024“. Nun ist es wirklich an der Zeit schlafen zu gehen. Es ist nun bald ein Uhr Früh, also etwas früh für mich, aber ich dafür werde ich morgen früher aufstehen und ausgeschlafen besser schreiben können.
Ich erwache um halb sieben und fühle mich gerädert. Erleichtert stelle ich fest, dass ich noch ein bisschen schlafen werde können, so früh über Lamas zu schreiben beginnen macht gar keinen Siiiääähhhhn. Ich schlafe wieder ein und erwache fünf Stunden später. Ich habe Hunger. Die letzten Reste an Nahrungsmitteln habe ich gestern verkocht. Also werde ich einkaufen müssen. Im Geiste notiere ich eine Einkaufsliste, gehe zum Supermarkt, vergesse wesentliche Dinge (etwa Butter und Brot) und stelle zu Hause zurückgekehrt fest, dass die Einkaufsliste all meine Ideen für die Geschichte verdrängt hat.
„Butter, Brot, Bananen, Toilettenpapier“ – so sah mein Brainstorming sicher nicht aus. Leider hab ich aber nichts notiert. Das meiste fällt mir immer kurz vorm einschlafen ein, da spring ich nicht mehr auf und gehe zum Schreibtisch, mit einschlafen tu ich mir so schon schwer genug. Jetzt mach ich mir erst mal was zu essen. Dabei denke ich daran, wie schade es ist, dass Sie die Geschichte, die ich hätte schreiben wollen nicht lesen können. Vielleicht hätte sie Sie interess- und amüsiert. Es wäre ein Science-Fiction-Thriller gewesen, mit vielen witzigen Dialogen und ein bisschen Erotik in der Nebenhandlung sowie einem überraschenden Knalleffekt am Schluss. Vielleicht fällt es mir wieder ein, wenn ich was gegessen habe…
finanzminister
April 24th, 2009Lama der Nacht
April 17th, 2009
Nach Jahren der Transporte quer durch Sibirien, die Sahara und über die südamerikanische Nord-Süd-Strecke mit den vielen, vielen Andenpässen geh ich es nun ein wenig gemächlicher an und liefere Eilsendungen auf Kurzstrecken in der näheren Umgebung. Aber Kurzstrecken in der näheren Umgebung heißt in Europa vor allem: Verkehrsüberlastung und Stau. Und beides verträgt sich nicht sonderlich mit Eilsendungen. Deshalb liefern wir immer Nachts, wenn weniger Straßenverkehr ist. Uns Lamas bemerkt man da so gut wie nicht. Mag es an unserem Tempo, unseren leisen Sohlen, oder einfach daran liegen, dass wir nicht vor jedem rechtsabbiegen laut hupen – die vielen Lamas in den europäischen Ballungsräumen auf Eilkurzstreckenlieferung fallen niemandem auf.
Als ich nun nach einer sprintstarken und spurtreichen Nacht so um sechs, halb sieben nach Hause kam bemerkte ich, dass der Frühling, der am Land und im freien Gelände das Gras sprießen und die Bäume blühen lässt, für die Stadt nur noch Baustellenlärm übrig hat. Bohrmaschine in der Wand gleich links, Lkw-Zufahrt unter meinem Fenster, Schotter abladen, Straße aufschneiden, Rüttelplattenverdichter, volles Programm, Beginn Punkt sieben. Da hatte ich noch kein Auge zugetan und so müde, dass mir sowas dann nicht mehr auffällt, wird ein trainiertes Transportlama nach einer Nacht Kurzstreckeneilsprints nicht.
Ich ziehe die Vorhänge fest zu, schließe die Fenster. Die Luft im Zimmer wird stickiger. Der CO2-Gehalt steigt. Ich werde müde. Ich kriege keine Luft, ich schwitze. Panik. Ich muss ein Fenster aufmachen. Ich trinke Bier, Milch und Honig. Tränen stehen in meinen Augen. Ich will schlafen. In schlechten Dösträumen vermische ich den „Herrn der Ringe“ mit dem Europacupspiel vom Mittwoch. Langsam breitet sich ein pulsierender Schmerz von meiner Nasenwurzel in Richtung Gehirn aus. Ich denke an die Nazgul. Ich bin verzweifelt …
Doch nach einiger Zeit hab ich mich daran gewöhnt. Ja, ich finde es richtig gut draußen was zu hören, Lastwägen, Bagger, Flüche. Es beruhigt mich. Es zeigt mir, dass ich nicht alleine bin. Es ist noch jemand am Leben, auf dieser Welt. Es nimmt mir die Angst, ein Atomkrieg oder ein Meteoriteneinschlag könnte bereits alles Leben ausgelöscht haben, während ich schlief. Der Baustellenlärm beweist mir, dem ist nicht so. Ich atme erleichtert auf und döse lächelnd ein. Doch dann wurde es wieder Winter …
dealende hasen
April 11th, 2009sprichwörter…
April 8th, 2009furchtbares zum tag
April 1st, 2009To celebrate the Fall of Sauron …
March 25th, 2009Die Lama-Panik-Todestaste
March 24th, 2009
Zu den Aufgaben eines modernen, verantwortungsbewussten Transportlamas gehört es nicht nur Waren pünktlich, vollständig und wohlbehalten auszuliefern. Schon in alten Zeiten war die Protokollierung in Logbüchern für die Lamatransportfirmen sehr bedeutend. Mittlerweile hat sich daraus ein Tracking-Service für unsere Auftraggeber entwickelt. Weil aber dafür GPS-Ortung auch nicht wirklich reicht verbringen wir allzuviel Zeit unsere allzukurzen Rastpausen damit, genaue Berichte über das Geschehen auf den Transportstraßen dieser Welt zu verfassen. Dazu benutzen wir in der Regel Laptop-ähnliche Geräte, die uns auch als Navigationshilfen und unserer Firma zum Tracking dienen.
An die Tastatur hab ich mich mittlerweile gewöhnt und den „Shutdown“-Button über der Backspace , der manchmal unerwünschten Stillstand des Gerätes samt Datenverlust zur Folge hatte, hab ich deaktiviert. Und wenn ich die Ausgabelautstärke via Tastatur reduzieren will schau ich eben lieber zweimal, damit ich nicht versehentlich einen Standby-Modus aktiviere, aus dem mein Computer so behäbig erwacht, wie ein alter Bär aus einem Winterschlaf voller süßer Honigträume.
Dennoch bleibt beim der detailierten Transportprotokolle regelmäßiges Abspeichern das um und auf, wohlplatzierte Softwarefehler sorgen dafür. Ich hab es mir nun angewöhnt, und mach das auch schon ganz automatisch, nach jedem Satz über den Tastatur-Shortcut (Strg-S) zwischenzuspeichern, damit ja kein Satz, über den ich doch so lange gebrütet habe, verloren geht.
Nun liegt das S auf der Tastatur sehr nahe um A und Strg-A markiert einfach alles. Das ist kein Problem und oft auch gut so, aber wenn einmal alles markiert ist, reicht nur eine einzige Taste um alles zu löschen: Entf. Das kann dann schon ein wenig Panik auslösen, durchaus, auch bei mir zum Beispiel. Dann reagiert man hektisch und irrational, schließt einfach mal alles und Klick irrtümlich auf „Speichern“. Etwas abgebrühtere Leute hingegen handeln auch im Fall, dass überraschend alles gelöscht ist ganz cool und routiniert und drücken Strg-S.
Lamawissenschaften
March 16th, 2009
Transporttier kann heutzutage nicht einfach jeder werden, dem man einen Mehlsack auf den Rücken schnallen kann. Mittlerweile wird von Bewerbern um eine Stelle als Transporttier auch bei langjähriger Erfahrung ein universitärer Abschluss verlangt. Deshalb bieten einige Universitäten und Fachhochschulen das Diplomstudium Transporttier-Wissenschaften bzw. Transporttier-Wissenschaftslehre an, eine sehr interdisziplinäre Richtung mit mehr Geographie als Logistikmanagement.
Ich selber bin nun schon im neunten Semester und stehe kurz vor dem Abschluss an der Universität von Lima, logischerweise der renommiertesten auf diesem Gebiet, obwohl ich zwischendurch allerlei Zeugs für meine Transportfirma durch die Welt trage. Dadurch konnte ich mir auch bislang die vom peruanischen Unterrichtsminister vor wenigen Jahren eingeführten und heftig umstrittenen Studiengebühren locker leisten. Ein neuer peruanischer Unterrichtsminister hat diese nun auch wieder aufgehoben, allerdings nur für die Mindeststudiendauer. Das wäre in meinem Hauptfach auch kein Problem, allerdings habe ich aus Jux, Langeweile oder Wahnsinn noch nebenbei, gleich als ich anfing, Französisch inskripiert. Ich dachte ich könnte es vielleicht mal brauchen oder es mache Spaß.
Durch die dort logische Überschreitung jeglicher „Mindeststudiendauer“ (eigentlich ein blödes Wort und irgendwie auch Etikettenschwindel) geht der Entfall der Gebühren an mir vorbei. Was jetzt eigentlich für mich kein so großes finanzielles Problem darstellen würden, dazu verdient man auch als Transporttier zu gut. Aufgeregt hat mich aber der Wortlaut des Bescheides, in welchem ich über die Entrichtung der Gebühr in Kenntnis gesetzt wurde. Demnach hieß es, dass „Langzeitstudenten nicht unterstützt werden“ würden. Ich glaube, den Satz werd’ ich klauen müssen und in meine nächste Steuererklärung einbauen. So auf die Art: „Diese Regierung wird von mir nicht unterstützt, ich zahle nichts, ergebenst: Euer Lama“.













