Das Lama wird reich
January 31st, 2010I did it! Unermesslicher Reichtum, und das alles mit drei Unterschriften. Wie das? Nun, ich hatte noch nicht einmal die angedachte Gesangsausbildung begonnen, da kam mir unter der Dusche (oder war’s am Klo?) die größte und tollste Geschäftsidee der Welt und meines Lebens in den Sinn.
Weil ja so viele Fußballklubs (vor allem kleine) neuerdings gerne nach Investoren suchen, und ich schon immer einen Fußballklub besitzen (ja die Kombination klang auch für mich lange seltsam) wollte, habe ich beschlossen mir diesen Traum, schnipp und endlich, zu erfüllen. Meiner Bank sei Dank.
Die wirbt nämlich nicht nur mit „Erfüll’ dir deine Träume“, sie gibt auch Darlehen her, damit man sich die Träume auch leisten kann. Glücklicherweise war mein Traum zufällig ein solcher, der mit einem angemessenen Darlehen zu erfüllen ist.
Das angemessene Darlehen wies die stattlich runde Summe von fünfhundert Millionen Euro aus, die ich, zuzüglich zwölf Prozent Zinsen per anno, innerhalb der nächsten zwanzig anni zurückzahlen sollte. Und mit diesen fünfhundert Millionen Euro kaufte ich mir einen kleinen, hochverschuldeten Fußballklub in einer unteren Liga, mit einem Stadion, das schon bessere Tage gesehen hat – und noch mitten in der Innenstadt liegt.
Mein Darlehen überschrieb ich natürlich sofort der GmbH des Fußballvereins. Die besten Spieler des Klubs (soviele gute hatte der nicht) wurden gegen Ablösesummen an jeden verkauft, der dafür zu zahlen bereit war. Den Erlös strich ich als Return on Investment ein.
Danach wollte seltsamerweise keine rechte Ruhe mehr einkehren im Verein. Die Mannschaft fiel auf den letzten Platz zurück, es kamen kaum noch Zuschauer zu den Heimspielen und ich entließ zwei oder drei Trainer sowie den Platzwart. Letzterer war ohnehin ein freiwilliger Helfer, wurde aber soundso nicht mehr benötigt.
Ich verkaufte nämlich das Stadion – das sich wie gesagt in bester Lage befindet – an eine Investorengruppe. Die werden es niederreißen und Hotels oder Büros, jedenfalls Hochhäuser, vielleicht sogar eine Mall, bauen. Sie meinen, das passe besser dorthin. Mir soll’s recht sein, mit diesem hochverschuldeten Loser-Verein möchte ich nichts mehr zu tun haben. Über 500 Millionen Euro, kann man sich das vorstellen? Was für ein Missmanagement! Und dazu Tabellenletzter, Fixabsteiger! Früher wurden die Vereine, die auf Pump lebten wenigstens noch Meister. Welch sportliche Inkompetenz! Ich ziehe mich angewidert zurück – irgendwo in den Süden. Den Rest erledigt der Masseverwalter.
1. Anm. des Lamas: trauriger Weise auf tatsächlichen Ereignissen beruhend
2. Anm. des Lamas: noch trauriger, dass der erfundene Teil der Geschichte jener ist, wo ich die vielen, vielen Millionen aus dem Immobiliendeal einstreiche.










